Die denkwürdigen und wundersamen Wandlungen des Hans Georg HeerIm Januar 1965 zog Heer dann in das Bonner Studentenparlament ein und gehörte ein Jahr später zu den Wiederbegründern des nun linksextremistischen SDS in Bonn, der sich später auf Seminaren in der DDR schulen ließ. |
![]() "Hannes" Heer |
Heer und die Wehrmachtsausstellung - Eine Art "Dutschke von Bonn" |
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von Tom Faßbender Auf ihrem Weg durch die Republik ist die sogenannte Wehrmachtsausstellung inzwischen auf ihrer 15. Station in München angekommen. Die dort besonders intensive Auseinandersetzung zwischen Gegnern und Befürwortern hat zu einem bundesweiten Presseecho geführt. Oberbürgermeister Ude (SPD) hatte der Ausstellung die Türen geöffnet und damit den Zorn der CSU erregt. Der Münchner CSU-Chef Gauweiler legte deswegen zugleich zur Ausstellungseröffnung einen Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten nieder. Die Auseinandersetzung zwischen SPD und CSU hatte wiederum die radikale Szene von rechts und links dazu benutzt, sich in München zu treffen, um sich gegenseitig die Straße streitig zu machen. Dank eines besonnenen Polizeieinsatzes wurden größere Auseinandersetzungen jedoch vermieden. Bei dieser mit Vehemenz und Polemik in der Öffentlichkeit geführten Auseinandersetzung treten Fakten um die Macher der Ausstellung in den Hintergrund. Die Ausstellung, deren vollständiger Titel "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941.1944" lautet, ist ein Projekt des "Hamburger Instituts für Sozialforschung e.V.", begründet von Jan-Philipp Reemstma. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts und Macher der Ausstellung ist Hans Georg (Hannes) Heer. Mit Reemstma und Heer trafen sich Alt-68er, die mit dem Wehrmachts-Projekt ihren Haß auf das nationalsozialistische Elternhaus aufarbeiten konnten. So schreibt zumindest Rüdiger Proske in seiner Streitschrift, die sich gegen die Ausstellung und die inoffizielle Beteiligung von Mitarbeitern des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes der Bundeswehr (MGFA) an dieser Entwicklung richtet. Insbesondere Hannes Heer hat mit seiner schillernden Vergangenheit wenig Berechtigung, sich um die Aufarbeitung von Verbrechen des Totalitarismus zu kümmern. Heer begann sein Studium an der Bonner Universität zunächst bürgerlich sozialisiert als Mitglied einer katholischen Studentenverbindung, der Tuisconia- Königsberg. Dort flog er hinaus, nach eigenen Angaben trat er aus, weil er zu intelligent für eine Korporation gewesen sei. Im Januar 1965 zog Heer dann in das Bonner Studentenparlament ein und gehörte ein Jahr später zu den Wiederbegründern des nun linksextremistischen SDS in Bonn, der sich später auf Seminaren in der DDR schulen ließ. Die Bonner Studentenzeitung schilderte im Juli 1968 das Auftreten von Heer ironisch:"... der mit grünem Castro-Hemd durch die Universität hastende Heer auf der Suche nach neuen wichtigen Taten, der unter Beethovens ernster Miene auf dem Münsterplatz der herrschenden Klasse den Kampf bis zum endgültigen Sturz ankündigte, der bei der Vertriebenenkundgebung vom Baume den Rückzug seiner Genossen dirigierte und die Polizisten beschimpfte." Heer wandelte sich also vom Verbindungsstudenten zum "Dutschke von Bonn". Er stand auch mit an der Spitze der Truppe, die das Rektorat der Bonner Uni stürmte und damit zum ersten Polizeieinsatz im Zusammenhang mit der 68er-Revolte auslöste. Später wurde Heer dann DKP-Mitglied und landete, da er zum Lehrerdienst nicht zugelassen wurde, Mitte der siebziger Jahre beim WDR. Dann wurde es dann still um Heer, bis er 1993 dann bei Reemtsmas Hamburger Institut auftauchte. Die Ergebnisse seiner Tätigkeit dort sieht die Öffentlichkeit nun vor sich. Es ist bislang Heers größter Coup, der als Ergebnis seiner politischen Entwicklung vom Mitglied einer aus Königsberg stammenden Verbindung zum SDS- und DKP-Mitglied folgerichtig erscheint. Hoffentlich haben Reemstma und Heer mit ihrer einseitigen und viele Kriegsteilnehmer verletzenden Darstellung der Wehrmacht eine öffentliche Diskussion initiiert, die entgegen ihren Absichten den Weg zu einem abgewogenen Urteil über das Verhalten der Wehrmacht im Ostfeldzug eröffnet. Diese Diskussion muß zwischen Wehrmachtsführung und Frontsoldaten, zwischen Schuldigen und Unschuldigen differenzieren, um ein der Bedeutung des Themas entsprechendes Ergebnis zu erzielen. |