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Auf Tatsachen kommt es an, nicht auf einseitige oder gar verleumderische Filme und Theaterstücke, wobei "Der Stellvertreter" von Rolf Hochhuth seit den 60er Jahren für Aufsehen und antikirchliche Vorurteile sorgt. In diesem Schauspiel wird Papst Plus XII. vorgeworfen, während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft nicht gegen den Holocaust protestiert zu haben. - Hochhuth beleidigte den Papst sogar als "gemeinen Feigling". In der Form um etwas mehr Sachlichkeit bemüht, aber im Inhalt ähnlich einseitig und verzerrend, berichtet der Dokumentarfilm "Der Papst, die Nazis und die Juden" über dieses vieldiskutierte Thema. Dieser Streifen von Jonathan Lewis lief 1996 bezeichnenderweise achtmal in verschiedenen Fernsehsendern in Deutschland. Ob Fernsehleute sich diese Provokation als "Auftakt" zum Papstbesuch ausgedacht haben, läßt sich nicht ermitteln. Johannes Paul II. setzte auf seine Weise ein Zeichen, als er am 23.06.1996 im Berliner Olympiastadion zwei Geistliche seligsprach, die als Opfer der Nazi-Diktatur in die Geschichte eingingen: Karl Leisner und Bernhard Lichtenberg. Der Berliner Dompropst Lichtenberg war wegen seines öffentlichen Gebets für die Juden zu Tode gekommen, Karl Leisner wegen Kritik an Hitler (In unserer KOMM-MIT-Zeitschrift 4/96 erschien ein ausführliches Lebensbild Lichtenbergs, das Du gegen 3 DM in Briefmarken zugeschickt bekommst). Wenn von diesen verfolgten Priestern und Ordensleuten die Rede ist, hört man immer wieder den Einwand, dies seien "Einzelfälle" die aus dem Rahmen des sonstigen kirchlichen "Schweigens" bzw. "Versagens" fallen. Wie hat sich die Kirche als solche gegenüber der braunen Diktatur verhalten? Welche Einstellung vertrat Papst Plus XII. gegenüber den verfolgten Juden? Gab es öffentlichen Protest seitens der Kirche gegen die Tyrannei der NS-Machthaber? Diese Fragen lassen sich nicht durch Vermutungen und Vorurteile beantworten, sondern allein aufgrund des tatsächlichen Geschehens. Papst und Kirche haben während der NS-Zeit keineswegs geschwiegen: vielmehr wird der damalige kirchliche Widerstand in vielen Medien totgeschwiegen, weil er nicht ins vorgefaßte Denkschema paßt und gängige antikirchliche Zeitgeist-Fehlurteile widerlegt. Zu den bestinformierten Kennern dieses Themenkreises gehört Pater Lothar Groppe, jüngster Sohn des Generals Theodor Groppe, der als "Schwarzer General" (schwarz = katholisch) in die Geschichte des deutschen Widerstandes einging. Theodor Groppe wurde als Überzeugter Katholik schon einen Tag nach Hitlers "Machtergreifung" am 01.02.1933 als Generalmajor entlassen. Als er wegen Vergrößerung des Heeres wieder eingestellt wurde, protestierte er mehrfach gegen unmenschliche NS-Befehle und gab Anweisung zur Rettung von Juden. Er wurde zum Tode verurteilt, doch die Hinrichtung konnte gottlob verhindert werden. (In unserer KM-Zeitschrift 4/91 berichteten wir eingehend über diesen tapferen General) Lothar Groppe zeigte sich - ganz dem Vater gemäß - schon als kleiner Knirps mutig bis verwegen. Mit 12 Jahren schrieb er auf ein "Führer"-Bild in seiner Klasse: "Hitler ist ein Mörder und Verbrecher" - Ein dreistündiges Verhör bei der Gestapo (Geheimen Staats-Polizei) war die Folge. Insgesamt war Lothar Groppe 21x "Gast" der Gestapo, er erlebte zwei Hausdurchsuchungen und protestierte nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 vor angetretener Truppe gegen einen verbrecherischen Befehl. Er wurde durch Verfügung des OKH (Oberkommando des Heeres) aus der Offizierslaufbahn ausgeschlossen. Nach dem Krieg studierte Lothar Groppe Jura (Rechtswissenschaft), trat 1948 in den Jesuiten-Orden ein, lehrte an Gymnasien, war ab 1962 in der Militärseelsorge tätig und lehrte von 1963 bis 1971 als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg, die General und Admiralstabsoffiziere ausbildet. Pater Groppe leitete zeitweise die deutsche Sektion von "Radio Vatikan" in Rom und wirkte von 1973 bis 1987 als Dozent bei österreichischen Generalstabskursen. Er erstellte eine Dokumentation über kirchliche Hilfe für Wiener Juden, nach der in Osterreich eine Fernsehsendung gedreht wurde. Heute ist Pater Groppe als Publizist (Autor, Schriftsteller) und Krankenhaus-Seelsorger tätig und besonders als Verfasser religiöser und zeitgeschichtlicher Beiträge bekannt. Der Geistliche lebt in Bad Pyrmont und schreibt seit vielen Jahren auch für KOMM-MIT. So stammt auch der nachfolgende Artikel, für den wir herzlich danken, aus seiner Feder Pater Groppe (siehe Foto) widerstand in schwerer Zeit den antichristlichen Machthabern. Er wagt es auch heute, sich dem Zeitgeist zu widersetzen und die Ehre einer zu Unrecht verleumdeten Kirche zu verteidigen Dabei vertraut der Autor auf die Kraft der Argumente und nachweisbarer Fakten, von denen auch dieser Artikel geprägt ist.
MITSCHULD der KIRCHE am HOLOCAUST?Wie steht es mit dem angeblichen "Schweigen" der katholischen Kirche zu den NS-Verbrechen? Die Nationalsozialisten hatten schon vor der "Machtergreifung" Hitlers 1933 ihre antisemitischen (judenfeindlichen) Wahnideen verbreitet. Deshalb erklärte das Hl. Offizium (Glaubenskongregation des Vatikans) in seinem Dekret (Erlaß, Verfügung) vom 25.03.1928: "Wie der Hl. Stuhl allen Haß und alle Feindschaft unter den Völkern verwirft, so verurteilt er ganz besonders den Haß gegen das Volk, das Gott in seinen uralten Tagen zu dem seinen erwählt hat - nämlich jenen Haß, den man üblicherweise als Antisemitismus bezeichnet." Als die NS-Machthaber am 1. April 1933 zum Boykott (Ausschluß) jüdischer Geschäfte aufriefen ("Kauft nicht bei Juden!"), sandte der Vatikan ein Protest-Telegramm zur NS-Reichsregierung nach Berlin, auf das er nie eine Antwort bekam. Kardinal-Staatssekretär Pacelli (der spätere Papst Plus XII.) beauftragte den Berliner Nuntius (vatikan. Botschafter) Orsenigo, "sich bei der Reichsregierung für die Juden einzusetzen und auf alle Gefahren einer antisemitischen Politik aufmerksam zu machen. 1937 erschien die päpstliche Enzyklika (Hirtenwort) "Mit brennender Sorge". Dieses eindeutige römische NEIN zur Nazi-Herrschaft wurde in Deutschland geheim gedruckt und dann von allen katholischen Kanzeln verlesen. Die Rache folgte auf dem Fuße: der NS-Staat enteignete die beteiligten Druckereien, verschärfte die antikirchliche Propaganda, verhaftete noch mehr Geistliche und bekennende Katholiken. Auch der Kampf gegen die katholischen Schulen nahm zu - 1938 wurden sie zwangsweise aufgelöst. 1941 folgte der "Klostersturm", also die entschädigungslose Enteignung von Klöstern und deren Bildungseinrichtungen durch die braunen Machthaber. Die Kirche, die als Anwalt der Entrechteten auftrat, wurde erbarmungslos verfolgt. Das päpstliche Hirtenwort "Mit brennender Sorge" wird auch heute noch in der veröffentlichten Meinung größtenteils totgeschwiegen, widerlegt es doch gängige Vorurteile über "kirchliches Schweigen", in diesem Papst-Protest wurde der Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus scharf verurteilt:
Der 09.11.1938 ging als "Reichskristallnacht" unrühmlich in die Geschichte ein: SA-Männer in Zivil und andere Nazis zerstörten in Deutschland über 700 jüdische Geschäfte und Wohnungen, zündeten rund 250 Synagogen (jüdische Bethäuser) an und ermordeten 91 Juden. Die katholische Kirche wurde von den Nazis als "schwarze Komplizin des internationalen Judentums" bekämpft - so auch kurz nach der Reichskristallnacht: nach antikirchlichen Hetztiraden blies ein NS-Gauleiter zum "Sturm" auf die bischöfliche Residenz von Kardinal Faulhaber in München, wobei der Mob (Straßenpöbel, Gesindel) unentwegt brüllte: "Raus! Raus! Nach Dachau! In Schutzhaft mit dem Hochverräter!" Dachau war ein KZ in der Nähe Münchens, in dem über 2000 katholische Geistliche inhaftiert waren. Die Nazis sprachen verharmlosend von "Schutzhaft". Der berüchtigte Gauleiter Julius Streicher, Herausgeber des Judenhetz-Blattes "Der Stürmer", verkündete auf einer Massenkundgebung vor 100.000 Anhängern "Wir wissen, daß es bei uns auch noch Leute gibt, die Mitleid mit den Juden haben, Leute, die nicht wert sind, in dieser Stadt wohnen zu dürfen, zu diesem Volk zu gehören, von dem ihr ein stolzer Teil seid." - Danach zogen SA-Kolonnen grölend durch die Straßen und verunglimpften die katholische Kirche als "schwarze Lügenbande", "schwarzes Lumpenpack" - und griffen auch Kardinal Faulhaber an:
Der antikirchliche Haß der Nazis war erklärbar, denn keine andere Institution (Einrichtung) zeigte soviel Mut wie der Vatikan. Allein von 1933 bis 1939 gab es 55 päpstliche Proteste bei der Reichsregierung. NS-Außenminister von Ribbentrop erklärte den Richtern im "Nürnberger Prozeß" 1945, es habe eine ganze Schublade päpstlicher Proteste gegeben. Der berüchtigte NS-Verbrecher Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, stellte in seinem Lagebericht für 1938 fest, daß "die projüdische Haltung der Kirchen jede antijüdische Propaganda bei der Masse der Kirchengläubigen wirkungslos macht." Kirchliche HILFE für die RETTUNG von JUDENDas Wichtigste war für die Kirche jedoch nicht das Verfassen von Protestnoten, sondern die praktische Hilfe für bedrohte Juden, auch und vor allem für getaufte Juden, die ebenfalls verfolgt wurden, wenngleich teilweise in geringerem Ausmaß. Um retten, was zu retten ist, stellten päpstliche und kirchliche Stellen allein in Ungarn 80.000 Taufscheine für Juden aus, ohne daß ein einziger tatsächlich getauft wurde. Es ging darum, ihnen mit diesem Dokument womöglich das Leben zu retten, was vielfach gelang. Erzbischof Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII , war damals Nuntius (päpstl Abgesandter) in Rumänien und stellte Tausende von Taufscheinen aus. Wenn es darum ging, Juden zu retten, verzichtete die Kirche sogar auf das von ihr sonst hochgehaltene Moralprinzip, daß der Zweck die Mittel nicht heiligt. Für den Zweck der Lebensrettung war das Taufschein Mittel recht, richtig, notwendig. Besonders risikoreich war der Einsatz der "Erzbischöflichen Hilfsstelle" in Wien, die von Kardinal Innitzer 1940 gegründet wurde. Schon vor dem "Anschluß" Österreichs 1938 wurde der Kardinal von Nazis als "Judenbischof" beschimpft: "Innitzer und Jud - eine Brut!" Die Hilfsstelle kümmerte sich im wesentlichen um Katholiken jüdischer Herkunft, weil die israelitische Kultusgemeinde eine eigene Hilfsstelle unterhielt und evangelische "Nicht Arier" (Juden) von der protestantischen Schwedenmission betreut wurden. Am Ende des Krieges kümmerte sich die Erzbischöfliche Hilfsstelle zusätzlich um nichtchristliche Juden aus Ungarn. Immerhin konnte dieses kirchliche Hilfswerk 4000 getaufte Juden unterstützen, ihnen seelischen und materiellen Beistand leisten. Natürlich wäre der umfangreiche Einsatz ohne Unterstützung vor allem seitens der Klöster nicht möglich gewesen. Die Lebensmittel waren ja rationiert (zugeteilt, eingeschränkt). Alle Klöster, die von Nazis nicht zwangsaufgelöst wurden, halfen mit Lebensmitteln, die sich die Ordensleute buchstäblich vom Mund abgespart hatten. In einigen Klöstern wurden Juden versteckt, worauf schwerste Strafen standen. Im KZ Lager Mauthausen wurde ein Kaplan grausam ermordet, weil er jüdischen Kindern Bonbons geschenkt hat. Die bedrohten Juden wurden durch die Hilfsstelle zudem ärztlich versorgt, es wurde eine eigene Schule für sie gegründet, deren Niveau (geistiger Anspruch) weit über dem der anderen Schulen lag. Daneben wurden Kinderhort, Nähstube und Altenheim eingerichtet. Geleitet wurde die Arbeit vom deutschen Jesuitenpater Ludger Born. Am gefährlichsten war die Sorge der Hilfsstelle für die sog. "U-Boote" also Juden, die unangemeldet lebten bzw. untergetaucht waren: sie hatten keinen gültigen Ausweis, keine Lebensmittelkarten, keine Wohnung. Viele übernachteten im Freien, unter Brücken - und in ständiger Lebensgefahr. Nach der Statistik der israelitischen Kultusgemeinde lebten 1942 in Wien fast 2282 Juden im Untergrund. Alle Mitarbeiter der "Erzbischöflichen Hilfsstelle" wußten, wie riskant Ihre Tätigkeit war. Die Gestapo kannte deren Arbeit, die Adresse stand sogar im Telefonbuch. Trotzdem harrten alle Mitarbeiter standhaft aus. 9 von 23 Helferinnen kamen ins KZ, nur eine überlebte. 8 Mitarbeiterinnen bezahlten also Ihren Einsatz für Juden mit dem Leben! Der als "Nazi-Jäger" bekannte jüdische Schriftsteller Simon Wiesenthal schrieb am 10.07.1975 an den inzwischen verstorbenen Leiter der Hilfsstelle, Pater Born:
Um die volle Wahrheit zu sagen: es gab auch Juden, die in die Verbrechen der Nazis verstrickt waren, weil sie so ihre eigene Haut retten wollten. Sowohl in Berlin wie in Wien waren die sog. "Greifer" gefürchtet und gehaßt. Es waren jüdische Gestapo-Agenten, denen man Schonung versprach, wenn sie dafür andere Juden aufspürten und der Geheimen Staatspolizei ans Messer lieferten. Die Fernsehsendung "Ein einfacher Mensch" berichtet z.B. die Geschichte des Juden Jakow Silberberg, der Tausende von Juden in die Gaskammern getrieben hat. Dabei wußte er, daß solche "Funktionshäftlinge" stets selber vergast wurden, weil die Nazis lästige Zeugen Ihres Massenmords loswerden wollten. Niemand wird den Stab über Menschen brechen wollen, die aus Zwang gehandelt haben. Dieser Grundsatz muß dann für alle gelten, auch für nichtjüdische Deutsche, die aus Angst um ihr Leben keinen Heldenmut aufbrachten. Man kann von keinem Volk erwarten, daß es mehrheitlich aus Märtyrern besteht. Der jüdische Autor H.G. Adler schreibt in seiner Monographie "Theresienstadt": "Die Gemeinschaft der Juden war nicht schlimmer, aber auch nicht besser als die sie umgebende Welt."
FÜRSPRECHER der verfolgten JUDENDie katholischen Bischöfe Hollands verkündeten in einem Hirtenschreiben vom 26.07.1942 ihren Protest gegen die Verfolgung der Juden. Die Nazis rächten sich auf ihre Weise, indem sie Ihre Politik verschärften und jetzt auch katholische Juden verfolgten. Prominentes Opfer: Edith Stein, Ordensfrau jüdischer Herkunft, die in Auschwitz ermordet wurde. Die deutsch-jüdische Karmelitin wurde 1987 vom Papst seliggesprochen. Als Papst Plus XII., dem man heute sein "Schweigen" zur Judenverfolgung vorwirft, in den römischen Zeitungen las, welch furchtbaren Folgen der öffentliche bischöfliche Protest in Holland nach sich zog, beschloß er, aus Verantwortungsbewußtsein sein bereits verfaßtes Protestschreiben zu vernichten. Schwester Pascalina, seine langjährige Haushälterin, berichtet in ihrer Biographie (Lebensbeschreibung) folgendes:
Pius XII. hat aus Mitgefühl für die Juden schweren Herzens auf einen öffentlichen Protest verzichtet. Er wollte die Nazis nicht zu Rachemaßnahmen veranlassen, wie es in den Niederlanden geschehen war. Die verleumderische Behauptung, der Papst habe den Judenmord stillschweigend gebilligt, wie man in der veröffentlichten Meinung immer wieder hört, widerspricht den geschichtlichen Tatsachen. Hierzu gehört auch die Rettung römischer Juden durch den Vatikan. Zwar wurden 1127 Juden aus Rom verschleppt, aber exakt 4447 Juden auf Weisung des Papstes in über 150 Klöstern und kirchlichen Häusern versteckt. Die Angehörigen dieser Orden mußten allesamt den Gürtel enger schnallen, um Tausende von Juden zu ernähren: zudem riskierten sie ihr Leben, denn das Verstecken von Juden wurde mit schwersten Strafen geahndet. Übrigens wurden auf dem eng begrenzten Gebiet des Vatikanstaates (0.44 qkm!) neben Juden auch andere Verfolgte untergebracht. So fanden 8000 Flüchtlinge zeitweilig Unterschlupf in Castel Gandolfo, dem Sommersitz des Papstes. Als Papst Pius XII. 1958 verstarb, schickte die Außenministerin des Staates Israel, Golda Meir, folgendes Beileidstelegramm:
Die Rettungsaktionen des Papstes für die Juden versetzten den jüdischen Oberrabbiner von Rom, Israel Zolli, in solche Bewunderung, daß er nach dem Krieg gemeinsam mit seiner Frau in die katholische Kirche eintrat. Aus Dankbarkeit nahm Zolli den Taufnamen des Papstes an (Eugenio). Über Plus XII schrieb er "Kein Held der Geschichte hat ein vortrefflicheres und stärker bekämpftes Heer angeführt, als Pius XII. es im Namen der christlichen Nächstenliebe getan hat." Auch in Deutschland setzte sich die Kirche für verfolgte Juden ein Bereits 1934 wurde das "Caritas Notwerk" errichtet, 1935 der "Hilfsausschuß für katholische Nicht-Arier" gegründet. 1938 folgte das "Hilfswerk beim Bischöflichen Ordinariat Berlin", 1939 die der "Caritas Reichsstelle für nichtarische Katholiken". In Freiburg baute Frau Dr. Luckner einen Helferkreis für Juden und andere Verfolgte auf bis sie 1943 ins KZ Ravensbrück kam. In Hamburg half der St -Raphaels-Verein auswanderungswilligen Juden, bis er 1941 von der Gestapo aufgelöst wurde. Die Bereitschaft des Auslands, bedrohte Juden aus Deutschland aufzunehmen, war äußerst gering oder überhaupt nicht vorhanden. Der bereits erwähnte jüdische Autor Simon Wiesenthal schreibt in seinem Buch "Recht, nicht Rache", daß sich Juden außerhalb des deutschen Machtbereichs vielfach kaum um das Schicksal ihrer Glaubensbrüder kümmerten. Nicht wenige Juden, die - weit weg vom Schuß, etwa in den USA - sicher waren, wie in Abrahams Schoß, interessierten sich weniger für verfolgte Juden als für irgendeine Festlichkeit oder den Verlust zweier Kühe in einem israelischen Kibbuz (Seite 284 ff). Das Versagen von Juden und Nichtjuden, die im sicheren Ausland lebten, ist weitaus weniger Gegenstand öffentlicher Debatten wie das "Mitläufertum" jener Deutschen, die aus Angst vor der Nazi-Diktatur keinen Widerstand wagten. Am 17.06.1966 äußerte sich Pinchas Lapide in der Tageszeitung "Die Welt" zu dem Vorwurf, der Papst habe sich durch "Schweigen" schuldig gemacht:
Moshe Sharett, der spätere Ministerpräsident des Staates Israel, berichtete am 22.04.1945 über ein Gespräch mit Papst Pius XII.:
Aufschlußreich auch das Interview, das der bekannte jüdische "Nazi Jäger" Simon Wiesenthal der Zeitschrift "Kirche intern" vom März 1988 gab. Darin stellt er fest: "Für die Nazis waren Juden und Christen gleichermaßen Feinde." Über die Haltung der katholischen Geistlichkeit in der NS-Zeit äußert sich Wiesenthal ebenfalls: "Der Klerus hatte von den Kanzeln sehr wohl gegen die Nazis gepredigt. Über viertausend Priester wanderten in die KZ's!" Mit Recht würdigten die katholischen Bischöfe in Ihrem Hirtenbrief vom 23. August 1945 das Verhalten Ihrer Gläubigen:
JUDEN bedanken sich bei der KIRCHEDer Jüdische Weltkongreß würdigte in einem Dankschreiben an Papst Pius XII. vom dessen Hilfe bei der Auswanderung von Juden aus der NS-Diktatur. Am 11.04.1942 schrieben gerettete Juden einen Dankesbrief an den Vatikan für die Ausstattung mit Kleidern und Verpflegung. Zwei Mitglieder des jüdischen Hilfskomitees der "Jewish Agency" schrieben am 14.10.1944 an Kardinal Roncalli, den späteren Papst Johannes XXIII.: "Das humanitäre Interesse, das der Hl. Stuhl und seine edlen Vertreter in verschiedenen Ländern Europas bewiesen, in denen Juden verfolgt wurden, und die Hilfe, die er den Bedrohten so großherzig gewährte, werden von unserem Volk und vom Gewissen der zivilisierten Welt nie vergessen." Als sich diplomatische Vertreter Israels 1955 bei Erzbischof Montini, dem späteren Papst Paul VI., für die Rettungsaktionen zugunsten der Juden bedankten, erklärte der Erzbischof am 17.04.1955: ... Ich habe nichts getan als meine Pflicht. Außerdem habe ich auf Anordnung von Papst Pius XII. gehandelt." JUDEN würdigen die HILFE der KIRCHEDie Rettungsaktionen von Papst, Bischöfen und Katholiken für die bedrohten Juden wurden von jüdischer Seite mehrfach dankbar gewürdigt. Leider sind diese Stellungnahmen in der öffentlichen Diskussion kaum bekannt. Handelt es sich um ein systematisches Totschweigen? Der Schriftsteller Thomas Mann und der jüdische Sozialphilosoph Max Horkheimer, beide nicht gerade Freunde der katholischen Kirche, ließen nach 1945 untersuchen, welche Bevölkerungsschichten den Juden am meisten geholfen haben. Prof. Horkheimer nannte in einem "Spiegel"-Interview das Ergebnis seiner Studie, das ihn und Thomas Mann überraschte: "Gläubige Katholiken haben die größte Bereitschaft gezeigt, den Verfolgten zu helfen." 1967 erschien das Werk "Rom und die Juden", in dem sich der jüdische Prof. Pinchas Lapide ausführlich auch mit der NS-Zeit befaßt. Nach dreijähriger Forschungsarbeit vorwiegend in jüdischen Archiven kam er zu einem erstaunlichen Ergebnis. Auf S. 188 schreibt er hierzu: "Die katholische Kirche ermöglichte unter der Amtszeit von Papst Pius XII. die Rettung von mindestens 700.000, wahrscheinlich aber sogar 860.000 Juden vor dem sicheren Tod ... Diese Zahlen ... übersteigen bei weitem jene aller anderen Kirchen, religiösen Einrichtungen und Hilfsorganisationen zusammengenommen. Überdies stehen sie im auffallenden Kontrast (Gegensatz} zu dem unverzeihlichen Zögern und heuchlerischen Lippendienst von Organisationen außerhalb von Hitlers Einfluß. die zweifellos über weit größere Möglichkeiten verfügten, Juden zu retten, solange noch dazu Zeit war: das Internationale Rote Kreuz und die westlichen Demokratien." HEYDRICH über die katholischen PRIESTERDie Gegnerschaft der katholischen Kirche zum NS-System wurde von den braunen Machthabern wütend registriert. So schrieb Reinhard Heydrich, Chef der gefürchteten Gestapo, am 10.01.1941 an den NS-Chefideologen Rosenberg folgendes über die "Stimmung innerhalb der katholischen Geistlichkeit". "Weitaus der größte Teil des katholischen Klerus steht geschlossen gegen den Nationalsozialismus. Für diese Einstellung ist weniger die persönliche Überzeugung des einzelnen Priesters maßgeblich, als die geistliche Leitung, die die Priesterschaft praktisch zu dieser Einstellung zwingt ... Seit dem Vertrag mit Rußland wird der Nationalsozialismus restlos dem Bolschewismus gleichgestellt ... Die katholischen Theologen hören zum größten Teil nur ausländische Sender ab. Die darin verbreiteten Nachrichten werden innerhalb des Klerus besprochen. Durch üble Witze wird innerhalb des Klerus allgemein versucht, das Ansehen der Reichsregierung und der führenden Persönlichkeiten von Staat und Partei zu erschüttern." DIES ist ein KM-AktionDieser faktenreiche Artikel von Pater Lothar Groppe (31812 Bad Pyrmont, Bomberg-Allee 8) widerlegt die üblichen Vor- und Fehlurteile gegen die katholische Kirche. Mit diesen Tatsachen und Zitaten bist Du bestens ausgerüstet für Diskussionen, auch im Religionsunterricht, für Aufsätze oder Leserbriefe an Zeitungen. Dieses Thema ist und bleibt aktuell - gerade weil in vielen Medien immer wieder falsch berichtet wird. Statt die katholische Kirche zu würdigen, wird diese große Retterin der Juden als "mitschuldig am Holocaust" verleumdet, manchmal sogar von schlecht informierten kirchlichen Vertretern. - Wahrheit verpflichtet: deshalb diese Klarstellung! Bitte schreib uns Deine Meinung, Eindrücke, Diskussions-Erfahrungen hierzu! Sprich mit Deinen Eltern und Großeltern über dieses Thema und über ihre Erfahrungen. Schreib kritische Leserbriefe, wenn über Christentum und Kirche falsch informiert wird. Berichte uns! |
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